Wer sind die Whills? Geheimnisse einer galaktischen Überlieferung
Es gibt Begriffe in fiktiven Welten, die mehr sind als bloße Namen: Sie klingen wie Relikte, sie tragen Bedeutungen, die sich nur schemenhaft enthüllen. Die Whills gehören genau in diese Kategorie. Für Fans der Saga sind sie zugleich vertraut und unergründlich — ein mehrdeutiger Kern aus Lucas’ frühen Notizen, der immer wieder Spekulationen und kreative Anknüpfungen ausgelöst hat.
Wo alles begann: Lucas’ frühe Notizen und das Journal
George Lucas schrieb in den 1970er-Jahren umfangreiche Entwürfe zu seinem Weltraummärchen. In diesen Entwürfen tauchte wiederholt die Formulierung „Journal of the Whills“ auf, ein Konzept, das als Rahmen für die Erzählung dienen sollte. Lucas dachte über eine metaerzählende Instanz nach: eine Art Chronik, die die großen Ereignisse der Galaxis dokumentiert.
Diese Erwähnungen sind dokumentiert in frühen Drehbuchfassungen, Konzeptzeichnungen und Interviews aus dieser Zeit. Lucas’ Idee war weniger eine konkrete Spezies als ein erzählerischer Apparat — eine Stimme von außen, die Geschichte festhält und damit Bedeutung stiftet. Genau diese Unbestimmtheit machte den Begriff attraktiv: Er ließ Raum für Religion, Mythos und Wissenschaft zugleich.
Die Whills als Erzähler und als Mythos
In vielen Mythologien gibt es Beobachter und Schreiber, die Ereignisse notieren oder bewahren: Mönche, Chronisten, himmlische Instanzen. Lucas griff auf diese Tradition zurück und setzte sie in einem futuristischen Gewand um. Die Whills wurden so zu einer möglichen Erklärung dafür, wer die großen Geschichten der Galaxis bewahrt.
Ob die Whills als lebendige Wesen, als Orden oder als metaphysische Entität gedacht waren, blieb offen. Genau hierin liegt ihre Stärke in der Mythengestaltung: Unausgesprochenes lädt zu Deutungen ein, und unterschiedliche Autoren konnten das Konzept nach Bedarf modulieren. Manche sahen in ihnen die „Augen“ des Universums, andere eher die „Schreiber“ hinter der Bühne.
Das Journal of the Whills: ein literarischer Rahmen
Die Vorstellung eines „Journals“ hat zwei Effekte. Erstens bietet sie eine erklärende Perspektive: Geschichten sind nicht wahllos, sondern Teil einer größeren Überlieferung. Zweitens schafft sie Distanz — ein Autor, der die Geschichte kommentiert, verleiht ihr Tiefe. Bei Lucas war das nicht nur ein Stilmittel, sondern auch eine Einladung an spätere Erzähler.
Viele Leser haben versucht, das Journal als tatsächliches Artefakt innerhalb der fiktiven Welt zu denken: ein Relikt, das historische Berichte enthielte, vielleicht sogar diakronische Einträge aus verschiedenen Epochen. Ob Lucas das jemals so konkret realisieren wollte, ist unklar; seine Notizen legen jedoch nahe, dass das Journal mehr als nur ein dekoratives Zitat sein sollte.
Mittendrin: Die Whills und die Entstehung der Macht-Mythologie
Ein zentraler Aspekt der Saga ist die Macht—ein universelles Feld, das Leben durchdringt und Bindungen schafft. In Lucas’ Überlegungen verbanden sich die Whills eng mit dieser Idee. Sie galten als Beobachter oder Vermittler der Mächte, als eine Art religiöse Überlieferung, die das Verständnis der Macht reflektiert.
Lucas experimentierte mit verschiedenen Wegen, die Macht zu erklären: von rein spirituellen Beschreibungen bis zu biologisch-technischen Erklärungen. Die Whills konnten dabei sowohl die spirituelle Dimension repräsentieren als auch als kulturelle Institution erscheinen, die das Wissen um die Macht bewahrt und weitergibt. Diese doppelte Lesart machte sie zum idealen Vehikel für Erzählungen, die zwischen Mythos und Analyse pendeln.
Midichlorianer: Wissenschaft trifft Mythos
1999 führte eine der deutlichsten Versuche, die Macht zu erklären, den Begriff der Midichlorianer in die Saga ein. Diese mikroskopischen Organismen sollten das Vermittelnde zwischen Lebewesen und der Macht sein. Für viele Zuschauer wirkte das wie eine Verlagerung von Mystik in Biologie.
George Lucas selbst hat in Interviews gesagt, dass er mit den Midichlorianern die Idee einer Verbindung zwischen Leben und universaler Energie verdeutlichen wollte. Gleichzeitig erwähnte er, dass Konzepte wie die Whills Teil seines umfassenderen Denkrahmens waren. Diese Verbindungen lösten Debatten aus: Sollte ein mythisches Phänomen wie die Macht quantifizierbar gemacht werden?
Die Diskussion zeigt etwas Entscheidendes: Das Framing der Whills erlaubt sowohl spirituelle als auch wissenschaftliche Deutungen. Je nachdem, welche Erzählweise ein Autor bevorzugt, können die Whills als theologische Ordnung, als biologische Erklärung oder als poetische Metapher erscheinen.
Anspielungen und Spuren in späteren Werken

Weil Lucas’ Eingangsnotizen schön offenblieben, haben nachfolgende Autoren und Produzenten die Möglichkeit genutzt, kleine Hinweise zu streuen oder das Motiv weiterzudenken. Manche Werke belassen die Whills im Hintergrund, andere geben ihnen konkrete Formen — oft aber nie so voll ausgebaut, dass alle Fragen beantwortet wären.
Solche Anspielungen treten in sehr unterschiedlicher Gestalt auf: mal als Titelzitat, mal als musikalisches Motiv, mal als kultische Praxis in einer Szene. Diese Varianten zeigen, wie ein offenes Konzept in der Popkultur arbeitet: Es wird zitiert, interpretiert und umgedeutet, ohne seine geheimnisvolle Anziehung zu verlieren. Für Fans bleiben diese Nicken ausgebauter Mythen oft wichtiger als eine abschließende Erklärung.
Beispiele von Verwendungen
Hier eine knappe Übersicht über typische Arten von Verweisen: Schreibende beziehen sich auf die Whills als Autorenfigur; Komponisten verwenden chorische Elemente, die an kultische Gesänge erinnern; Drehbuchautoren lassen Figuren Rituale praktizieren, die an Überlieferungen erinnern. Diese Formen sind weniger dokumentarisch als atmosphärisch.
Solche Verwendungen haben einen pragmatischen Grund: Der Begriff ist stark genug, um ihm Bedeutung zu verleihen, aber schwach genug, um die Erzählung nicht mit Details zu überfrachten. Er eignet sich deshalb hervorragend als erzählerisches Einfallstor für die Themen Erinnerung, Geschichte und Glauben.
Fantasien der Fans: Theorien und Spekulationen
Seit Jahrzehnten entstehen in Fankreisen Theorien über Herkunft, Natur und Rolle der Whills. Diese reichen vom Bild uralter, allwissender Wesen bis zu einer Organisation, die das Wissen der Galaxis bewahrt. Manche Spekulationen verknüpfen die Whills mit bekannten Figuren oder Ereignissen, andere sehen sie als archetypische Stimme der Geschichte.
Solche Theorien erfüllen mehrere Funktionen: Sie stillen die Neugier, sie erlauben kreative Erweiterungen und sie zeigen, wie die Fangemeinde mit unvollständigen Informationen arbeitet. Das Phänomen ist typisch für große fiktionale Universen: Lücken werden zu Spielräumen, und aus Unsicherheit entsteht produktive Fantasie.
Warum Fankonstruktionen wertvoll sind
Fan-Theorien sind nicht nur Rätselraten; sie sind eine Form kollektiver Interpretation. Indem Fans Hypothesen entwickeln, testen sie, wie kohärent ein Universum wirkt. Die Whills sind dafür ein ideales Feld: Jede sinnvolle Theorie provoziert weitere Fragen und illustriert, wie viel Bedeutung in einem einzelnen, nicht vollständig ausgearbeiteten Begriff liegen kann.
Gute Fan-Hypothesen können auch Autoren inspirieren. Manche Ideen, die in Foren entstehen, finden später ihren Weg in offizielle Geschichten, entweder direkt oder als lose Anregung. Das macht das Spekulieren produktiv: Es ist Teil eines längerfristigen Dialogs zwischen Schöpfern und Publikum.
Die Erzählökonomie der Unbestimmtheit
Es gibt einen narrativen Grund, warum manche Konzepte im Dunklen bleiben: Geheimnis erzeugt Reibung, und Reibung erzeugt Interesse. Indem die Whills nicht vollständig erklärt werden, bleibt die Saga dynamisch; neue Geschichten können ansetzen, ohne alten Beschreibungen widersprechen zu müssen. Das ist in seriellen Erzählungen ein wertvolles Prinzip.
Außerdem hat Unbestimmtheit einen ästhetischen Wert: Ein Begriff wie die Whills trägt eine poetische Qualität, die sich schwer in nüchterne Details auflösen lässt. Manchmal ist es effektiver, eine Andeutung zu lassen, damit sie im Kopf der Leser und Zuschauer weiterarbeitet. Die Whills fungieren genau so: als offenes Versprechen auf Tiefe.
Als Autor: Begegnung mit dem Rätsel
Ich erinnere mich noch, wie ich zum ersten Mal auf das «Journal of the Whills» stieß, als ich eines jener dicken Begleitbücher zur Saga durchblätterte. Es war weniger die Information als die Stimmung, die hängenblieb — das Gefühl, dass hinter den bekannten Helden eine größere, fast liturgische Überlieferung existierte. Dieses Erlebnis beeinflusst bis heute, wie ich an Weltbau herangehe.
Als Autor reizt mich gerade diese Mischung aus Andeutung und Möglichkeit. Ich habe selbst kurze Texte verfasst, in denen eine fiktive Chronik die Perspektive auf vertraute Ereignisse verändert. Solche Experimente zeigen, wie ein narrativer Rahmen die Bedeutung einer Szene verschieben kann, ohne Details zu diktieren.
Wie zukünftige Werke die Whills erzählen könnten

Es gibt zahlreiche Wege, das Thema weiterzuspinnen, ohne das Geheimnis zu zerstören. Ein Ansatz wäre, die Whills als kulturelle Institutionen darzustellen — Bibliotheken, Tempel oder Orden, die das Wissen bewahren. Ein anderer Weg wäre eine metaphysische Erkundung, in der die Whills als Aspekte der Macht selbst erscheinen.
Ein dritter, reizvoller Weg wäre eine gattungsgemischte Erzählung: historische Fragmente, Tagebucheinträge und Archivfunde, die zusammen ein Mosaik bilden. So könnte man das Gefühl einer echten Überlieferung nachahmen — mit widersprüchlichen Berichten, Lücken und Interpretationsspielräumen. Das würde sowohl literarisch funktionieren als auch der ursprünglichen Idee von Lucas huldigen.
Konkrete erzählerische Optionen
Autoren könnten die Whills als Beobachter von Schlüsselereignissen auftreten lassen, als Hüter verborgener Archive oder als Mythenstifter, deren Berichte politisch instrumentalisiert werden. Jede dieser Varianten eröffnet eigene Konflikte: Wer kontrolliert das Narrativ? Welche Macht verleiht das Schreiben? Solche Fragen sind dramaturgisch fruchtbar.
Ein weiterer Aspekt wäre die Verbindung zu Figuren, die in der Saga bereits vertraut sind. Wie verändert sich die Lesart der Helden, wenn man ihre Taten als Teil eines Whill-Archivs liest? Solche Perspektivverschiebungen sind kleinteilig, aber effektiv: Sie erzeugen neue Einsichten, ohne die Grundhandlung umzustürzen.
Quellen, Nachweisen und sinnvolle Spekulation

Wer sich dem Thema historisch nähert, findet die solidesten Hinweise in Lucas’ frühen Drehbüchern und in Interviews aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Diese Materialien zeigen, dass die Whills ursprünglich ein erzählerisches Konzept waren. Spätere Produktionen haben das Motiv punktuell aufgegriffen, jedoch nicht abschließend ausgearbeitet.
Spekulation bleibt daher ein legitimes Mittel: Es gilt aber, klar zwischen belegten Aussagen und Vermutungen zu unterscheiden. Narrative Lücken sind kein Fehler, sondern ein Gestaltungsmerkmal — und für Forscher und Fans gleichermaßen ein Feld zum kreativen Denken.
Ein kleines Referenzfeld: Wo taucht der Begriff auf?
Um den Überblick zu erleichtern, hilft eine kurze, vorsichtige Aufstellung von Stationen, an denen der Name oder die Idee Erwähnung fand. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern fasst die typischen Erscheinungsformen zusammen.
| Kontext | Art der Erwähnung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Lucas’ frühe Entwürfe | Konzept/Arbeitstitel | „Journal of the Whills“ als Rahmendokument |
| Interviews und Konzeptgespräche | Erklärende Anmerkungen | Whills als narrative Einrichtung bzw. ideeller Hintergrund |
| Moderne Adaptionen und Medien | Stilistische/atmosphärische Verweise | Kleine Nennungen, musikalische oder rituelle Anspielungen |
Diese kompakte Übersicht zeigt den modulhaften Charakter des Begriffs: Er erscheint, verschwindet wieder und hinterlässt Spuren, die zum Weiterdenken einladen. Genau das ist für die Saga oft wertvoller als eine vollständig ausbuchstabierte Herkunftsgeschichte.
Was die Whills für das Verständnis der Saga leisten
Die Whills sind mehr als ein kurioser Fußabdruck in der Entstehungsgeschichte von Star Wars. Sie sind ein Instrument, das die Saga mit Tiefe versorgt: durch die Idee, dass Geschichte nicht neutral ist, sondern aufgezeichnet, interpretiert und tradiert wird. Diese Metaebene verleiht der Erzählung Gewicht.
Außerdem fungieren die Whills als Brücke zwischen religiöser Symbolik und narrativer Darstellung. Ihre Existenz als Konzept erlaubt Autoren, Fragen nach Erinnerung, Autorenschaft und Macht zu stellen. Gerade in einer Serie, die sich wiederholt mit dem Aufstieg und Fall von Ideologien beschäftigt, ist ein solcher Reflexionsraum wertvoll.
Zum Schluss: Das offene Ende als Einladung
Am Ende bleibt das reizvollste an den Whills ihr offener Charakter. Sie sind kein Rätsel, das man einmal löst und dann beiseitelegt; sie sind eine Einladung, sich immer wieder neu mit dem Mysterium von Geschichte und Glauben auseinanderzusetzen. Wer das Universum weiter denkt, findet hier einen reichhaltigen Ansatzpunkt.
Für Autorinnen und Autoren, für Fans und Forscher bieten die Whills einen Raum, in dem Mythenarbeit sichtbar wird: als Prozess, nicht als Produkt. Und genau das macht ihren Reiz aus — ein Flüstern aus den Rändern der Erzählung, das dazu anregt, weiterzuschreiben, weiterzudenken und weiterzufragen.
